Die Legende

1939 bis 1969

Bei gemeinsamen Manövern mit der deutschen Wehrmacht zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Rote Armee auf die deutschen BMW-R-71-Motorradgespanne aufmerksam (hergestellt 1938-1941), die mit einem Maschinengewehr und dem Behördenbeiwagen TR500 ausgerüstet waren und sich wegen ihrer Schnelligkeit und Wendigkeit sehr bewährt hatten. Das sowjetische Verteidigungsministerium beriet zu dieser Zeit über die Anschaffung neuer Fahrzeuge. Nach längerer Diskussion wurde entschieden, die R-71 im eigenen Land nachzubauen.

Wie die Pläne in die Sowjetunion gelangt sind, ist historisch nicht einwandfrei geklärt. Eine verbreitete Version ist, dass fünf Exemplare des BMW-Motorrads über das neutrale Schweden in die Sowjetunion eingeführt wurden und dort über Reverse-Engineering die Grundlage für die Ural-Produktion bildeten. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Pläne auf offiziellem Weg im Rahmen des Technologietransfers von Deutschland in die Sowjetunion gelangten, der infolge des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes eingesetzt hatte.[1]

Die M-72 wurde bis 1957 in Irbiter Motorradwerken hergestellt, wobei das M für „Motozikl“ (russ. Мотоцикл für Motorrad) steht. Die M-72 war zunächst eine detailgetreue Kopie der BMW R 71. Da diese Maschine für schweres Gelände jedoch ungeeignet war, wurde das Modell laufend verbessert: Neuer Luftfilter mit Ölfüllung, höher gelegtes vorderes Schutzblech sowie hinterer Schutzblechbügel zum besseren Aufklappen des Schutzbleches, was den Radwechsel erleichterte. Ebenso eingeführt wurden Knotenbleche an der hinteren Stoßdämpferaufnahme, nachdem es im Feldeinsatz zu Rahmenbrüchen gekommen war.

Die M-72 wurde mit einem quadratisch ausgelegten (Bohrung x Hub 78 × 78 mm), seitengesteuerten 2-Zylinder-Viertakt-Boxermotor ausgestattet. Seine Höchstleistung betrug 16 kW (22 PS) bei 4950 U/min. Das Gespann wog betriebsfertig etwa 350 kg und konnte drei Personen mit Gepäck und Ausrüstung transportieren. Es wurde von der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg als geländetaugliches Fahrzeug eingesetzt.

Ab 1941 lief die Produktion der Seitenwagenmotorräder in Moskau auf Hochtouren. In der Moskauer Fabrik wurden 1753 Motorräder produziert, bevor die Wehrmacht näher rückte und die Fabrik 1200 Kilometer weiter nach Osten nach Irbit ins Ural-Gebirge verlegt wurde.[2] Dies führte schließlich zum Namen „Ural“ für das Gespann. In der Stadt Irbit wurden während des Krieges weitere 9799 Maschinen gefertigt; bis 1950 wurden dort insgesamt 30.000 Motorräder hergestellt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg baute man in Irbit – wie auch im neuen Kiewer Dnepr Werk – die Maschinen weiterhin hauptsächlich für das Militär und sonstige Behörden. Infolge des steigenden Bekanntheitsgrades wurde im Jahr 1953 entschieden, die Ural-Motorräder auch zu exportieren. Ab den 1960er Jahren stiegen die Ural-Werke in die Produktion rein ziviler Motorräder ein. Die Fertigung von Fahrzeugen für das Militär wurde eingestellt. Mittlerweile wurde nicht mehr der alte und unverwüstliche Seitenventiler-Motor mit 750 cm³ gebaut, sondern schon eine Eigenentwicklung mit 650 cm³ und hängenden Ventilen (Ventilbetätigung mittels Stößelstangen durch eine im Motorgehäuse gelagerten Nockenwelle), der sich schon dadurch vom 650 cm³ OHV-Motor der Dnepr Modelle erheblich unterschied.

1966 verließ die 500.000. Maschine das Werk in Irbit. Die Jahresproduktion lag damals bei 200.000 Motorrädern.[3]

1970 bis 1989

Ab 1970 importierte der Londoner Fred Wells erstmals die damalige Ural M-63 nach Großbritannien. Von 1972 bis 1979 hatte die „Soviet American Trade Association“ (SATRA) die Konzession für den Export sowjetischer Motorräder und führte in den angelsächsischen Ländern den Handelsnamen «Cossack» ein.[4] In den deutschsprachigen Ländern waren die Motorräder aus Irbit jedoch immer unter dem Namen „Ural“ bekannt.

1975 wurde das 1.000.000ste Motorrad in Irbit produziert.

1989 waren bei IMZ Ural schon 2 Millionen Maschinen vom Band gelaufen. Zu Spitzenzeiten waren etwa 9.000 Menschen bei IMZ Ural beschäftigt.

1990 bis 1999

Im November 1992 wurde die staatliche Fabrik privatisiert und in Uralmoto AG umbenannt. 40 Prozent der Aktien wurden dem damaligen Management und den Mitarbeitern zugeteilt und 38 Prozent wurden in Form von Privatisierungs-Gutscheinen größtenteils an Management und Mitarbeiter versteigert. 22 Prozent der Aktien blieben zunächst in staatlicher Hand, wurden später aber ebenfalls an Investoren veräußert.[5]

Russische Sicherheitskräfte wurden letztmals im Jahr 1999 mit Ural-Maschinen beliefert.

2000 bis heute

Nachdem das Unternehmen von 1998 bis 2000 einer privaten russischen Investorengruppe gehörte, kauften im Jahre 2000 drei in den USA lebende russischstämmige Unternehmer die Fabrik. Mit dem Erwerb wurde die Firma in „Irbit MotorWorks of America, Inc.“ (IMWA) umbenannt.

Seinen letzten bedeutenden Großauftrag erhielt das Irbiter Motorradwerk 2002, als die irakische Regierung unter Saddam Hussein 1.000 Ural-Gespanne bestellte. Ausgeliefert wurden die grau lackierten Gespanne mit 650er-Motor, E-Starter und Alu-Zylinder. Die Lieferungen mussten nach Kriegsbeginn gestoppt werden, die schon gelieferten Ural wurden im Krieg größtenteils zerstört.[6]

Die neuen Eigentümer setzten ein neues Management ein. CEO ist Wladimir Kurmatschew, als Chefdesigner fungierte Sergei Swetlowski. Bei einer kompletten Reorganisation der IMWA wurde das über mehrere Hektar verteilte Fabrikgelände stark verkleinert, die Anzahl der Mitarbeiter auf heute rund 150 Mitarbeiter reduziert und in Teilbereichen neue Produktionstechniken eingeführt. Dazu gehörte eine Qualitätskontrolle an allen Punkten der Produktion und Zukauf von Komponenten aus 15 westlichen Ländern. Die Fertigungsqualität stieg rapide und es kam vermehrt zur Entwicklung neuer Modelle.

Aus ökologischen Gründen musste das Werk vor einigen Jahren die firmeneigene galvanische Abteilung schließen.

In den letzten Jahren wurden nur noch 500 (2009), 800 (2010) bzw. 900 Motorräder/Gespanne (2011) produziert. Hauptabsatzmarkt sind mit 496 Motorrädern die USA. Fast so viele Maschinen werden nach Westeuropa geliefert, Einzelexemplare nach Kanada, Australien, Japan, Südafrika und Korea.[7]

Nur ganz wenige Ural Gespanne werden in Russland selbst verkauft. Im Jahr 2009 waren es gerade einmal 17 Maschinen.[8] Grund hierfür ist, dass die Motorräder aus Irbit für russische Verhältnisse teuer sind. So kostet ein Ural Retro-Gespann auf dem heimischen russischen Markt beispielsweise 355.000 Rubel, umgerechnet etwa 9000 Euro.

Das Händlernetz umfasst in den USA und in Europa je 60 Händler, in Kanada 10, in Australien 5, in Japan 3 sowie einzelne Händler in Korea, Neuseeland und den Golf-Staaten, insgesamt rund 140 Händler weltweit. Seit 2003 hat die Ural Motorcycles GmbH im österreichischen Linz den Generalvertrieb für Ural Motorräder, Ersatzteile und Zubehör in Europa inne.[9]

Seit 1942 wurden in Irbit mehr als drei Millionen Motorräder und Gespanne gebaut.

 

Quelle: www.wikipedia.org

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